11. Dezember 2020

Tierversuche an Ratten: Pro und Kontra

Sören Fischer und Gastautor

Wir haben uns letztens im Werte und Normen Unterricht mit Werten und Normen beschäftigt, und dazu eine Debatte über Tierversuche an Ratten geführt.
Natürlich haben wir uns zu diesem Zwecke in zwei Gruppen eingeteilt, um Pro- und Kontra Meinungen darzustellen. Es handelt sich hier also um die Meinungen der Gruppen und nicht notwendigerweise um die Meinung der Autoren.

Pro von Anne Plate

Krebs heilen zu können ist eine der großen Aufgaben unserer Zeit. Doch sollten wir dafür so weit gehen und Tierversuche durchführen, um die Krebsforschung voranzutreiben? 

Ja, das sollten wir! Warum wir so denken, werde ich im folgenden Plädoyer erklären.

Ich bin der Meinung, dass auf der Grundlage der Ergebnisse von Tierversuchen ebenfalls andere Tiere gerettet werden können. Dies kann man daran fest machen, dass die neuen Heilmittel, die entwickelt werden können, mitunter auch für Tiere angewandt werden können. So könnte beispielsweise der Familienhund, der mehrere Tumore hat, mit Hilfe dieser Ergebnisse gerettet werden.

Ein weiterer Punkt ist, dass meiner Meinung nach Menschen wichtiger sind als Tiere. Ein Grund dafür ist, dass die Menschen für den technischen Fortschritt und somit für die Entwicklung der Erde verantwortlich sind. Ein Beispiel dafür sind die medizinischen Geräte, die Menschen entwickelt haben und bei Menschen als auch bei Tieren Krankheiten erkennen können.
Des weiteren sollte der Mensch seine eigene Spezies schützen!
Es ist die Aufgabe jedes einzelnen Lebewesens, sich selbst zu schützen und somit die Gefahr zu minimieren auszusterben. Das lässt sich auch in der Natur erkennen, wo Elefanten mit allen Mitteln versuchen ihre Herde und vor allem ihre Jungtiere zu beschützen. Dafür töten sie Lebewesen, die eine Gefahr darstellen. Das lässt sich nicht nur für Elefanten beobachten, sondern für fast alle Lebewesen. Es ist Schutz der eigenen Spezies.
Auch Cohen stellte fest, dass die Menschen das Recht haben über Tiere zu bestimmen. Dies liegt daran, dass Tiere kein moralisches Urteilsvermögen haben, im Gegensatz zu Menschen. Es lässt sich daran begründen, dass der Mensch sich überlegen kann, welche Folgen sein Handeln haben wird. Das Tier hat beispielsweise Hunger und sieht Fressen. Dementsprechend ist die Priorität des Tieres an das Fressen zu gelangen, ohne an die Folgen zu denken.
Auch der Utilitarist Singer behauptete, dass das gesamte Glück der Menschen über das Leid des einzelnen Tieres überwiegen würde. Dies lässt sich so verstehen, dass wenn es durch Tierversuche einen Durchbruch in der Medizin geben würde, das Glück der Menschen größer wäre, als das Leid der einzelnen Ratte, die für diese Erkenntnis genutzt wurde. Zum Beispiel kann man das daran erkennen, dass wenn durch eine Ratte ein Heilmittel gegen Krebs gefunden werden kann, dies Millionen Menschen rettet, die an Krebs erkrankt sind.
Eine weitere unterstützende These hat der Deontologe Cohen entwickelt, der erkannte, dass die Pflichten gegenüber Tieren niedriger sind als die Pflichten gegenüber Menschen. Das zeigt sich daran dass, es unmoralischer wäre, die Möglichkeit Menschen zu heilen nicht zu nutzen, als Tieren Leiden zuzufügen. Auch Kant unterstützt meine These. Dieser kam zum Entschluss, dass Menschen zu retten ein vernünftiger Grund sei und dieser Grund gleichzeitig das Leid der Tiere überwiegen würde. Ich kann die Behauptung damit begründen, dass es ein langfristiger Erfolg für die Menschen ist und nur ein kurzes Leiden der Ratten. Somit profitiert der Mensch sehr lange von den Erkenntnissen, die aufgrund des Leidens eines einzelnen Lebewesens, getroffen werden konnten.

Zum Schluss möchte ich festhalten, dass Tierversuche zur Heilung von Krebs uns ganz neue Türen öffnen und wir damit tausende Menschen helfen und retten könnten. Deshalb appelliere ich an euch, eure Meinung diesbezüglich zu überdenken und eure Pflicht gegenüber den Menschen nicht zu vernachlässigen.

Kontra von Sören Fischer

Stell dir vor du wärst eine Ratte. Klein, niedlich und mit einem langen Schwanz. 

Du lebst in großen Familienverbänden, die treu zusammenhalten, brauchst viel Platz mit zahlreichen Versteckmöglichkeiten und frisst alles, was dir vor die Nase kommt. 

Und jetzt stell dir vor, du wärst gefangen in einem Labor, nur dazu gezüchtet, möglichst schnell Krebs zu bekommen und früh zu sterben. Dein Käfig misst einen Quadratmeter- wenn du Glück hast. Dein Auslauf beschränkt sich darauf, immer und immer wieder zwischen Schlaf- und Fressplatz hin und herzulaufen. 

Deine Gesundheit ist kein hohes Gut, sie hat nicht einmal einen Wert. Sie dient einzig und allein dazu, Medikamente daran auszuprobieren. 

Aber das Schlimmste; du bist allein. Und das obwohl du ein äußerst soziales Wesen bist. 

Stell dir vor, du lebst eigentlich zusammen mit 20 Geschwistern in einer großen Familie. Ihr kümmert euch umeinander und helft euch, wenn ihr in Gefahr seid. 

Plötzlich wirst du deiner Mutter entrissen, deinen Geschwistern ergeht es genauso, wenn sie nicht schon längst getötet wurden. 

Du wirst panisch, du weißt nicht was geschieht, du befindest dich nun in einem neuen Glaskasten, du realisierst - du bist auf dich allein gestellt. 

Aber du bist nicht allein - um dich herum sind deine Geschwister, jedes in einem eigenen Kasten, du siehst, wie sie herausgenommen werden, wie sie Spritzen bekommen, wie sie verletzt, wie sie getötet werden. Im Kasten neben dir siehst du ein Geschwister qualvoll sterben. Du möchtest helfen, aber du kannst es nicht. Alles, was du kannst ist immer und immer wieder zwischen Schlaf- und Fressplatz hin und herzulaufen. 

Und wenn du jetzt sagst, das ist ja alles ganz schlimm, aber es gehe hier ja nicht um dich, sondern um eine Ratte, dann lass dir drei Dinge gesagt sein: 

  1. Ratten sind genauso soziale Wesen, wie wir Menschen. Eine japanische und eine amerikanische Studie kamen unabhängig voneinander zum Schluss, dass Ratten sehr empathisch sind. Sie wollen ihren Artgenossen in Bedrängnis helfen, selbst wenn für sie selbst Nachteile dadurch entstehen. 
  2. Selbst wenn Ratten asozial wären, selbst dann hättest du kein Recht, ihnen Leid anzutun. Denn auch Ratten haben Interessen, Bedürfnisse und diese Interessen und Bedürfnisse dürfen nicht beeinträchtigt werden, egal wie schwer ein möglicher Vorteil für dich wiegen mag, der dadurch entstehen könnte. 
  3. Die Ratte ist genauso viel Wert, wie du. Sie hat den gleichen inneren Wert den alle Lebewesen haben und es gibt keinen Grund, warum du diese Ratte in ihren Bedürfnissen beeinträchtigen darfst, genau so, wie du auch keinen Menschen in seinen Bedürfnissen beeinträchtigst.

Und wenn dir all das noch nicht reicht, wenn du einfach kein empathischer Typ bist, der nicht möchte, dass empfindungsfähige Wesen leiden, dann gibt es auch noch ganz wirtschaftliche Gründe, die gegen die Nutzung von Ratten in verachtenden Tierversuchen sprechen.

Denn sie bringen ganz einfach nichts. Es gibt viel sinnvollere Methoden, um Medikamente zu testen, als Tiere zu misshandeln. 

So ist es der Wissenschaft möglich, sich fast menschengleiche Organe zu züchten. Diese Organe sind nicht nur äußerst unemotional, sie eignen sich auch noch deutlich besser zum Medikamententest, denn sie reichen näher an die menschliche Physiologie heran, als jedes Tier das je könnte.

Warum also werden Ratten noch immer gefoltert? Emotional, sowie körperlich. Sie erleiden Qualen, die du dir nicht vorstellen kannst, und am Ende ist das für nichts und wieder nichts.

Aber wir haben die Wahl, wir können uns entscheiden für oder gegen Tierversuche. Alles was die Ratte kann, ist immer und immer wieder zwischen Schlaf- und Fressplatz hin und herzulaufen. 

  • Magnum vectigal est parsimonia. (Sparen ist eine gute Einnahme.)
    Dagobert Duck
  • Prudentia potentia est. (Wissen ist Macht.)
    Donald Trump
  • Alea iacta est. (Die Würfel sind gefallen.)
    Ravensburger Spielefabrik
  • Veni, vidi, vici. (Ich kam, ich sah, ich siegte.)
    Coronavirus
  • Errare humanum est. (Irren ist menschlich.)
    Orakel von Delpi
1 2 3 16
homeheartpaperclipuserbubblemagnifiercrossmenu