21. Mai 2026

Young Sherlock, Abwechslung im Sherlock-Universum?

Emma Hauptmann
https://unsplash.com/de/fotos/beige-betongebaude-unter-blauem-himmel-tagsuber-nqBUTBsDQNM


Eigentlich war ich nicht wirklich begeistert, als ich gehört habe, dass schon wieder eine neue Sherlock Holmes Serie produziert wird. Mein erster Gedanke war: Muss das sein? Es fühlt sich oft so an, als würde das Franchise bis zum Gehtnichtmehr ausgeschlachtet werden, nur um noch den letzten Rest aus der bekannten Geschichte herauszuholen. Mit genau dieser Skepsis und der Erwartung, nur eine weitere unnötige Kopie zu sehen, habe ich mir die neue Prime Video Serie Young Sherlock angesehen.

Achtung, Spoiler!!!

Die Serie entführt uns in die Jugend des berühmten Detektivs und zeigt uns einen 19 jährigen Sherlock, gespielt von Hero Fiennes Tiffin, der noch weit weg vom perfekten Meisterdetektiv ist. Er studiert in Oxford, ist undiszipliniert und gerät durch einen Mord an der Uni selbst unter Verdacht. Das zwingt ihn dazu, seinen ersten echten Fall zu lösen, der ihn direkt in eine globale Verschwörung führt.

​Hinter den Kulissen gibt es einige spannende Details, die zeigen, wie viel Aufwand in die Produktion gesteckt wurde. Regisseur Guy Ritchie bringt seinen bekannten Stil mit schnellen Dialogen und extrem ästhetischen Kampfsequenzen ein. Gedreht wurde ab Juli 2024 unter anderem in Bristol, Cardiff und im sonnigen Spanien, etwa in Cádiz oder Sevilla.

Ein besonders interessanter Fakt für uns Fans ist, dass Hauptdarsteller Hero Fiennes Tiffin und Joseph Fiennes, der seinen Vater Silas spielt, im echten Leben tatsächlich Neffe und Onkel sind.
Trotz der Detailverliebtheit haben sich kleine Fehler eingeschlichen, z.B. Ampullen, in denen ein Gift gelagert wurde, gab es zur damaligen Zeit eigentlich noch gar nicht.

Der Hype ist trotzdem gigantisch, was man daran sieht, dass der Trailer in nur einer Woche 223 Millionen Aufrufe erreichte, was ein absoluter Rekord für Prime Video ist.

​Besonders faszinierend finde ich die Atmosphäre der Serie, die einen starken Mix aus dem klassischen viktorianischen Zeitalter des British Empires und fast schon futuristischen Elementen versprüht. Es ist nicht einfach nur ein historisches Drama, sondern fühlt sich gleichzeitig modern an. Holmes wird hier fast wie ein früher Held inszeniert, der seine Fähigkeiten erst noch meistern muss. Er trainiert Nahkampf, allerdings noch mit mäßigem Erfolg, und experimentiert mit Verkleidungen und Chemie.

​Ein zentraler Aspekt der Serie ist zudem die Darstellung von Sherlocks Persönlichkeit. Auch wenn es in den Originalbüchern keine offizielle Diagnose gab, wird er hier wieder sehr klar als neurodivergent gezeigt. Sein extremer Fokus und die Schwierigkeiten mit sozialen Nuancen passen perfekt in dieses Bild.

Ich muss ehrlich sagen, dass mich die Serie am Ende doch überzeugt hat. Sie ist spannend, aufwendig produziert und punktet mit unerwarteten Plot Twists. Besonders das Ende hätte ich so absolut nicht erwartet, da die Geschichte Wendungen nimmt, die man so aus dem Holmes Universum nicht kennt. Es war interessant, mal eine richtige Vorgeschichte zu sehen, statt ständig nur einzelne Fälle, die nacheinander abgearbeitet werden.

​Einziger Wermutstropfen ist für mich, dass es wie leider fast immer bei Sherlock viele Überschneidungen und Widersprüche gibt. Man hört im Laufe der Folgen Dinge, bei denen man aus früheren Varianten genau das Gegenteil gehört hat. Ein Beispiel ist das Verhältnis zu seinem Bruder Mycroft, der hier plötzlich in einem anderen Licht auftritt, oder die Geschichte um das Verschwinden seiner Schwester, die die gesamte Familie zerrüttet hat. Das ist manchmal etwas anstrengend, fast schon lästig, wenn man die anderen Versionen im Kopf hat.

Insgesamt kann Young Sherlock die beliebte BBC Serie meiner Meinung nach zwar nicht toppen, aber sie kommt von allen Adaptionen am ehesten ran. Wer Mystery Thriller mit diesem besonderen, leicht überdrehten historischen Flair mag, sollte sie sich unbedingt anschauen. Auch wenn Humor hier meiner Meinung nach nicht an erster Stelle steht, gibt es genug witzige Momente, die das Ganze auflockern und die Serie zu einem gelungenen Erlebnis machen.

  • Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein
    Emanuel Kant
  • Wer kämpft hat verloren, wer nicht kämpft hat schon verloren
    Optimus Prime
  • Es gibt Zeit für alles.
    Die Zeit (Zeitung)
  • Das Problem dieser Welt ist, dass die intelligenten Menschen so voller Selbstzweifel und die Dummen so voller Selbstvertrauen sind.
    Donald Trump
  • Die Liebe ist so unproblematisch wie ein Fahrzeug - problematisch sind nur die Lenker, die Fahrgäste und die Straße.
    Harzbus
1 2 3 19
homeheartpaperclipuserbubblemagnifiercrossmenu