8. Januar 2026

Wednesday 2 Review

Emma Hauptmann


Eigentlich bin ich nicht die Person, die sofort begeistert ist, wenn es um Mystery-Serien mit düsterer Ästhetik und übernatürlichen Elementen geht. Normalerweise bewege ich mich eher außerhalb dieses Genres. Die erste Staffel von Wednesday habe ich mir damals trotzdem angesehen, hauptsächlich wegen des riesigen Hypes. Erwartung: mittel. Ergebnis: überraschend gut. Als dann die zweite Staffel anstand, habe ich mich freiwillig gemeldet, sie anzuschauen. Nicht aus blindem Fan-Dasein, sondern aus ehrlicher Neugier: Bleibt der besondere Mix aus schwarzem Humor, dunkler Romantik und Spannung erhalten, oder schlägt die Serie einen neuen Weg ein? Mit genau dieser Frage im Hinterkopf bin ich zurück nach Nevermore gereist.

Achtung, Spoiler!!!

Schon die erste Folge der zweiten Staffel macht deutlich, dass sich der Ton der Serie verändert hat. Rückblicke in Wednesdays Vergangenheit zeigen unter anderem die Opfer des berüchtigten Kansas City Scalper. Besonders interessant ist dabei ein Detail, das leicht übersehen werden kann: Die Puppen im Keller des Serienmörders tragen exakt dieselben Outfits wie seine Opfer.
Diese Liebe zum Detail zieht sich durch die gesamte Staffel. Onkel Fester besitzt ganze 33 Führerscheine und 18 Reisepässe, alle mit Fotos von Schauspieler Fred Armisen, der sich für die Rolle tatsächlich den Kopf rasiert hat. Auch beim Eiskalten Händchen wurde nichts dem Zufall überlassen. Schauspieler Victor Dorobantu erledigte an Drehtagen sämtliche Alltagsaufgaben einhändig, vom Anziehen bis zum Essen, um das Make-up nicht zu beschädigen.
Nevermore selbst ist erneut voll von literarischen Anspielungen. Die vier Häuser der Academy sind nach Figuren aus Shakespeares Werken benannt. Wednesday und Enid leben in der Ophelia Hall, einer Referenz auf Hamlet, während Pugsley und Eugene in der Caliban Hall wohnen, benannt nach einer Figur aus Der Sturm. Auch Thisbie Hall und Puck Hall verweisen auf Ein Sommernachtstraum. Die Wappen dieser Häuser sind sogar auf den Jacken der Schüler*innen zu sehen.
Eine besonders starke literarische Präsenz hat Edgar Allan Poe. Das gesamte Erscheinungsbild von Direktor Dort, inklusive seiner Perücke, ist an Poe angelehnt. In seinem Büro hängt ein Porträt des Schriftstellers, und selbst die Tapeten in Nevermore enthalten versteckte Referenzen zu Werken wie Das verräterische Herz oder Die Maske des roten Todes.
Die zweite Staffel orientiert sich deutlich stärker am klassischen Horror. Filme wie Frankenstein, Die Nacht der lebenden Toten, Shock Corridor und Einer flog über das Kuckucksnest dienten als Inspiration. Das zeigt sich vor allem in der Atmosphäre. Wednesdays Make-up ist bewusst in kühlen Blautönen gehalten, um sie beinahe leblos wirken zu lassen, als würde sie ständig zwischen Leben und Tod stehen.
Auch die Kostüme spielen eine zentrale Rolle. Der exzentrische Stil von Großmutter Hester Frump ist stark von der Modeikone Daphne Guinness inspiriert. Für ihr charakteristisches Bloody-Mary-Glas testete das Team ganze 36 verschiedene Gläser, bevor die perfekte Version gefunden war. Der Stil der neuen Leiterin der Musikabteilung, Isadora Capri, orientiert sich vor allem an Florence Welch und unterstreicht den leicht mystischen Charakter der Figur.
Enid Sinclair durchläuft ebenfalls eine sichtbare Veränderung. Ihre Fingernägel sind zu Beginn der Staffel kräftig gefärbt und werden im Verlauf immer heller. Ihr kürzerer, leuchtender Haarschnitt in Staffel zwei ist eine klare Anspielung auf Cyberpunk-Ästhetik, während die Frisuren der anderen Werwölfe an die natürliche Fellstruktur echter Wölfe angelehnt sind.
Gedreht wurde die zweite Staffel in und um Dublin. Das Charleville Castle diente als Kulisse für die Flure der Nevermore Academy, weitere Drehorte waren Kilternan, Clonliffe und Roundwood. Einige Sets entstanden auf Soundstages, die zuvor für Vikings: Valhalla genutzt wurden.
Der Bau der Innenausstattung von Morticias Cottage dauerte mehrere Monate. In die Kamine sind Bäume, Schnecken und Blumen eingearbeitet, die Buntglasfenster zeigen Kletterrosen. Mehrere Requisiten im Cottage sind direkte Anspielungen auf die Addams-Family-Fernsehserie aus den 1960er-Jahren.
Auch actionreich wird es wieder. Die Schwerter für das Duell im Camp Jericho wurden vom Architekten Antoni Gaudí inspiriert. Jenna Ortega und Catherine Zeta-Jones probten den Schwertkampf zunächst selbst, sogar mit verbundenen Augen.
Der Fensterstunt am Ende von Episode vier wurde mit Zuckerglas gedreht, während der felsige Boden aus hochkomprimiertem Gummi bestand.
Der massive Iago-Uhrturm wurde vollständig aus Stahl gebaut und verfügte sogar über einen funktionierenden Aufzug. Die Schwerter dort waren aus Sicherheitsgründen allerdings aus Schaumstoff.

Die zweite Staffel von Wednesday liefert viele interessante Einblicke in die Vergangenheit der Wednesday- und der Addams-Familie. Wer den leichten schwarzen Humor aus der ersten Staffel mochte, wird hier meiner Meinung nach eher weniger fündig. Stattdessen rücken Spannung und der Thriller-Aspekt deutlich stärker in den Vordergrund. Mir persönlich hat die erste Staffel besser gefallen, da sie humorvoller und frischer wirkte. Trotzdem hat mir auch die zweite Staffel gefallen. Sie ist interessant, aufwendig produziert und atmosphärisch dicht, nur eben nicht mehr ganz dasselbe wie die erste.

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